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Bernd Rabehl und seine Thesen |
| Einleitung
Es ist beinahe ein Jahr vergangen, seit Bernd Rabehl einen Vortrag gehalten hat, der einen Sturm des Protests sowohl am OSI wie auch außerhalb der Universität verursacht hat. Seit dem sind bereits viele Diskussionen über Rabehls Thesen und das weitere Umgehen mit seiner Person geführt worden. Es hat sich gezeigt, daß fast ein Jahr nachdem Rabehl mit seiner Danubia-Rede für Aufsehen gesorgt hatte, es weiterhin unter Studenten wie auch Lehrenden am Institut einen sehr unterschiedlichen Informationsstand gibt. So sehen sich weiterhin viele nicht in der Lage oder nicht willens, eine Position in bezug auf Rabehls Rede einzunehmen und verweisen auf angeblich kaum vorhandene Informationen oder ausformulierte Kritiken. Gegenüber solchen Einwänden soll dieser Reader eine erste Abhilfe schaffen. Wir selbst sind der Auffassung, daß die Thesen der Rede Rabehls kaum falsch zu verstehen sind. Die von Rabehl ausgemachten Konflikte zwischen "Partisanenformationen" und den "zentraleuropäischen Völkern", zwischen "Fremden" und "Volk und Kultur", zwischen "amerikanischen Deutschlandspezialisten 1944/45" und der "nationalen Identität", seine Kritik an der parlamentarischen Demokratie im Namen der "nationalen Identität" sowie seine Berufung auf ein vages "nationalrevolutionäres" Konzept deuten offensichtlich in die rechtsradikale Richtung. Nichtsdestotrotz ist es notwendig, in einer systematischen Art und Weise die rechtsradikalen Inhalte des Vortrags Rabehls herauszuarbeiten und in der Öffentlichkeit am Institut zu diskutieren. Dies könnte nicht zuletzt auch für die radikale Linke nützlich sein. Durch die Auseinandersetzung mit Renegaten wie Mahler oder Rabehl können eventuell vorhandene Unklarheiten linker Konzepte, die sie für neurechte Angebote empfänglich machen, beseitigt werden. Der erste Teil des Readers ist der Kritik an Bernd Rabehls Thesen gewidmet. Neben einer kurzen Darstellung und Chronologie des bisherigen Verlaufs der Debatte, die Interessierten den Überblick verschaffen und die Suche nach einzelnen Beiträgen vereinfachen soll, sind die Artikel von Hajo Funke sowie Martin Jander und Rainer Maischein abgedruckt, die Rabehl vorwerfen, rechtsradikales Gedankengut aufzugreifen. Hajo Funke kritisiert die nicht gerechtfertigte Assoziierung aller dem Paß nach Nicht-Deutschen mit angeblichen Partisanenformationen und die damit zusammenhängende These Rabehls von der "politischen Überfremdung" Europas und Deutschlands. Rabehls Klage über die Zerstörung der deutschen "nationalen Identität" greift auf klassische rechtsextreme Klischees zurück, seine apokalyptische Endzeitbeschwörung trägt paranoide Züge. Martin Jander und Rainer Maischein sehen in dem Vortrag Rabehls ein "schwer erträgliches Pamphlet", das insbesondere durch sein Aufgreifen der Topoi einer zerstörten "nationalen Identität" und der "Überfremdung" durch Zuwanderer ein völkisches Nationsverständnis transportiert. Rabehls Kritik der bundesrepublikanischen Demokratie zeigt ebenfalls rechtsradikale Züge. Seine These, daß die staatliche Ordnung der Bundesrepublik ein Mittel der Supermächte, insbesondere der Amerikaner, zur Zerstörung der deutschen Nationalidentität gewesen ist und daß dieser Zustand mit dem "Schuldpranger" des Verweises auf Auschwitz zementiert werden soll, relativiert die Geschichte der nationalsozialistischen Herrschaft. Der zweite Teil des Readers vereint Beiträge zum Kontext des Vortrags von Rabehl. Der Text von Armin Pfahl-Traughber gibt einen Überblick über die Entstehung der Neuen Rechten in Frankreich und Deutschland sowie auf ihre ideologischen Grundlagen, wie den Rückgriff auf die Konservative Revolution der Weimarar Republik. Ein Artikel aus dem Antifaschistischen Info-Blatt dokumentiert die Aktivitäten Rabehls und anderer Teilnehmer der "Bogenhausener Gespräche" im letzten Winter, insbesondere Horst Mahler. Der Text von Martin Krzywdzinski berichtet anschließend knapp über die Herkunft und Geschichte des Begriffs "nationale Revolution" innerhalb der radikalen Rechten. Es ist bezeichnend, in was für eine Tradition sich Rabehl vor seinem Publikum gestellt hat. Im letzten Teil des Readers ist schließlich die Rede Bernd Rabehls in der Fassung dokumentiert, die er selbst an Seminarteilnehmer verteilt hat, sowie seine Antwort auf die Kritiken. Außerdem findet sich in der Dokumentation ein am Ende des Sommersemesters veröffentlichter Offener Brief von StudentInnen des OSI und politischen Gruppen an die Universitätsleitung. Wir hoffen, einige wichtige Beiträge zu der Debatte um Bernd Rabehl versammelt zu haben. Nichtsdestotrotz ist die hier veröffentlichte Sammlung bestimmt unvollständig. Wir hoffen, diesen Reader im Verlauf der nächsten Monate um weitere Beiträge erweitern zu können. Es wäre traurig, wenn die Kritik an Rabehls rechtsradikalen Tendenzen einfach einschlafen würde. Martin und Olaf für die Fachschaftsinitiative am Otto-Suhr-Institut Dieser Reader erschien im November 1999. |
Inhaltsverzeichnis Verlauf der Auseinandersetzungen um Rabehl Kritik Hajo Funke: M. Jander/R.
Maischein Kontext Armin
Pfahl-Traughber Martin Krzywdzinski Wolfgang Wippermann Dokumentation Bernd Rabehl Bernd Rabehl |